Medienpädagogik und Little Big Planet:

Für das Projekt “Zirkuslust – Little Big Circus” bin ich in den Zirkus gegangen. Gemeinsam mit Kindern mit Videospiel-Controllern in der Hand haben wir dort die Grenze zwischen Videospiel und Realität in Frage gestellt. Mehr zum Projekt gibt es in meinem Gastbeitrag für den Medienpädagogik Praxis Blog.

Einen Eindruck vom Projekt vermitteln diese Bilder (und ja, im Zirkus verkleiden sich auch die Workshopleiter :-) ):

In diesem Artikel will ich stärker auf die generelle Nutzbarkeit von Little Big Planet 2 in der Medienpädagogik eingehen. Außerdem gebe ich praktische Tipps für die Arbeit mit dem Spiel.

Einsatz in der Medienpädagogik

Das Spiel und der Editor bieten eine Vielzahl von Einsatzzwecken im medienpädagogischen Bereich. Das weiß auch Sony und unterstützt den Einsatz von Little Big Planet an Schulen und Bibliotheken. Aber nicht nur deswegen gibt es diverse von der Community erstellte Levels mit Lerninhalten. Es gibt sogar eine “Sack School” (benannt nach den Spielfiguren in LBP genannt Sackboys), die in  dieser Präsentation für die Games-for-Change-Konferenz beschrieben wurde.

Was mich aber insbesondere am Spiel interessiert, ist die Nutzung von Little Big Planet, um die Grenze zwischen „echter“ und „virtueller“ Welt in Frage zu stellen. Hierfür ist Little Big Planet besonders gut geeignet, denn:

  • Der Spieler kann sich in LBP nicht nur bewegen und springen, sondern auch die Arme der Figuren bewegen, den Kopf neigen sowie Grimassen schneiden. So können sich ein realer und ein virtueller Protagonist zuwinken oder sogar gemeinsam tanzen.
  • Der Spieler kann die Umgebungen und Protagonisten im Spiel stark anpassen. So kann die Spielfigur sinnvoll in die reale Umgebung des Spieles eingebettet werden.

Während die Spielfiguren ein Flammenmeer überqueren ...

... springen Kinder vor der Leinwand durch einen "Feuerreifen".

Für den Workshop “Little Big Circus” habe ich einen „Zirkuslevel“ speziell für Zirkusvorführungen erstellt.

Hier einige Tipps, wie man sich bei der Arbeit mit Little Big Planet 2 möglichst viel Arbeit ersparen kann:

  • Warum Little Big Planet 2 statt 1 nutzen? Den ersten Teil können nur drei Spieler gleichzeitig spielen, den zweiten vier. Bei LBP2 hat man mehr Möglichkeiten beim Levelbau. Grundsätzlich sind beide Spiele aber sehr ähnlich.
  • Das Erstellen von Leveln ist nur möglich, wenn das eigene Savegame die erste reguläre Welt (Leonardo) durchgespielt hat.
  • Man kann aber auch Savegames aus dem Internet herunterladen, in denen das komplette Spiel schon durchgespielt ist. Sie enthalten auch alle Objekte und Kreativitätswerkzeuge, die beim Spielen erst nach und nach erlangt werden. Somit hat man ohne großen Aufwand mehr Möglichkeiten beim Erstellen.
  • Little Big Planet hat eine sehr aktive Community. In mehr als sechs Millionen Levels kann man sich inspirieren lassen kann. Ich habe mehrere Zirkuslevel gefunden und mich aus ihnen bedient. Das resultierende Level „Zirkuslust“ habe ich dann wieder veröffentlicht. Gespielt werden kann es aber nur mit einer PS3 und LBP2.
  • Vielleicht hat man Glück und findet ein Community-Level, das den eigenen Ansprüchen schon von Haus aus entspricht. Community-Levels können aber normalerweise nur mit bestehender Internetverbindung gespielt werden. Daher ist es eventuell anzuraten Community Levels zur Sicherheit zu kopieren und so zu einem eigenen Level zu machen, denn diese sind auch offline spielbar.
  • Leider kann man nicht alle, sondern nur „kopierbare“ Community Levels kopieren und modifizieren. Viele, aber nicht alle, kopierbaren Levels sind von ihren Erstellern mit dem Namenszusatz „COPY“ versehen. Sucht man nach „COPY“, hat man also schon mal eine Vorauswahl. Ob ein Level aber wirklich kopierbar ist, sieht man aber erst, wenn man nach Anwählen eines Levels auf die Seite nach rechts wechselt und bei “bewerten” auch wirklich “kopieren” verfügbar ist.
  • Eine weitere Möglichkeit beim Erstellen von Levels nicht bei null anzufangen, sind die Level Templates in Little Big Planet 1. In LBP2 sind diese nicht enthalten. Hat man LBP1, kann man sie aber exportieren und in LBP2 importieren.
  • Das Spiel verfügt über eine simulierte Physik. Man kann unterschiedliche Elemente zu großen Apparaten kombinieren. Es ist z.B. möglich steuerbare Seifenkisten oder eine riesige Kanone, die Spieler über weite Strecken schießt zu bauen. Viele Community Levels enthalten fertige komplexe Apparaturen.
  • Man kann nicht nur eigene Levels erstellen, sondern auch ganz andere Spiele, wie z.B. klassische Arcadespiele.
  • Auf die eigene Welt kommt man in der Zentrale beim Auswählen der Level. Dort kann man von der eigenen Welt nach rechts gehen und gelangt so auf den eigenen Mond.
  • Man kann die PlayStation Eye (Zubehör zur PS3) einsetzen um Fotos in das Spiel zu importieren.

    Mit dem PlayStation Eye importiertes Logo im selbst erstellten Level

  • Man kann Screenshots vom Bildschirmgeschehen erstellen und diese exportieren.
  • Es gibt eine Erweiterung von LBP2 zur Unterstützung der Motion Controller der PS3.
  • Beim Erstellen und Modifizieren der Levels helfen die im Spiel enthaltenen Tutorial Videos.
  • Weitere Tipps zum Erstellen von Levels bekommt man z.B. hier:

Wie überspielt man einen Level und ein Profil auf eine weitere PS3?

Level Sichern:

  • Dazu auf dem eigenen Mond auf das Level und Viereck gehen und Sicherungskopie anwählen;
  • Dieses Level dann außerhalb des Spiels (zum Verlassen die PS3 Taste am Controller drücken) auf einen USB Stick speichern: Spiele/Speicherdaten Dienstprogramm PS3/Levelsicherungskopie, Optionen (Dreieck) .

Profil Sichern (Profile enthalten alle erstellten Level):

  • Dazu im Spiel in den Einstellungen (Start) / Profil / Profil sichern;
  • Dieses Profil dann außerhalb des Spiels auf einen USB Stick speichern: Spiele/Speicherdaten Dienstprogramm PS3/Levelsicherungskopie, Optionen (Dreieck) .

Level auf anderer PS3 aufspielen:

  • USB Stick einstecken, Spiel / Speicherdaten Dienstprogramm PS3 / USB Gerät / Gewünschte Datei / Dreieck /Kopieren
  • Im Spiel auf dem eigenen Mond den leeren Krater anwählen und per Viereck importieren

Profil auf anderer PS3 aufspielen:

  • USB Stick einstecken, Spiel / Speicherdaten Dienstprogramm PS3 / USB Gerät / Gewünschte Datei / Dreieck /Kopieren
  • Im Spiel in den Einstellungen / Profil (Level) importieren

Weitere Programme

Auch Microsoft hat ein Programm, mit dem man einfach Spiele erstellen kann. Kodu gibt es für die XBOX 360 und den PC (- hier ist es sogar kostenlos). Mehr Infos zu Kodu gibt es auf der gameLabor-Seite.

Mehr:

Das “Little Big Circus” Projekt selbst ist habe ich im Medienpädagogik Praxis Blog beschrieben.

Lokal Beatz – Vertone dein Stadtviertel

Gibt die Rutsche auf dem Spielplatz einen guten Bass ab? Erinnert der Ton nach Betätigen des “C”-Knopfs des Fahrkartenautomaten nicht an das Durchladen einer Waffe?Und wie klingt die Blechwand des Einkaufszentrums?

Beim Projekt “Hasenbergl Beatz” haben Besucher der Freizeitstätte KistE Sounds aus ihrer unmittelbaren Umgebung aufgespürt und aufgenommen. Im Musikstudio der KistE haben sie aus den Tönen mit Hilfe der “MASCHINE” einen Hip Hop Beat erstellt, auf den dann über das Stadtviertel gerappt wurde.

Bei der Abschlusspräsentation war den Teilnehmern am Projekt “Lokal Beatz” der Stolz über das Erreichte anzusehen.

Der Film zum Projekt:

Das fertige Lied (veröffentlicht unter Creative Commons Lizenz)
KistE Allstars – Hasenbergl Beat by KistE Radio

Die Karte auf dem die Sounds verortet wurden.

Local Beatz – Ein Stadteil wird vertont! auf einer größeren Karte anzeigen

Link zur Projektseite auf Facebook.

Ausführlicher Artikel zum Projekt.

Das Projekt “Lokal Beatz” wurde vom Medienpädagogen Tobias Helmlinger und den Zuständigen für das Musikstudio (Ich) und Computer (Tanja Schachtner) der Freizeitstätte KistE durchgeführt und von den Mediengeldern der Stadt München finanziell unterstützt.

Ziele des Projektes waren die:

  • Neuentdeckung der unmittelbaren Umgebung mit anderen Augen / Ohren,
  • das kompetente Nutzen von mobilen Kommunikationsgeräten (Smartphones),
  • die kreative Auseinandersetzung mit den mit ihnen gewonnenen medialen Ausgangsprodukten wie Sounds, Fotos und Videos,
  • die Auseinandersetzung mit dem eigenen Stadtviertel über das Schreiben und Rappen von Texten.

Und wie geht es weiter? Bei Interesse am Projekt kann man sich an Tobias Helmlinger und die Freizeitstätte KistE wenden. Momentan ist geplant, das Projekt mit den Schulen im Stadtviertel zu wiederholen.

Und die Jugendlichen wollen unbedingt ein Musikvideo aufnehmen.

UPDATE 8.1.2012:
Vor drei Tagen hat ein Jugendlicher das Lied noch zusätzlich auf Youtube gestellt.
http://www.youtube.com/watch?v=N-e7ny554FU
Dort hat es nach drei Tagen schon mehr als 500 Views. In dem Fall hat es wirklich einen großen Unterschied gemacht, dass es noch mal eigenständig hochgeladen wurde. Den existierenden Soundcloud Link (für Musik laut meiner Meinung eigentlich besser geeignet) haben die Teilnehmer viel weniger genutzt (100 views in 22 Tagen).

Creating geotainment with teenagers

At the moment I am working on a pretty exciting project which I got funded by the City of Munich. Based on free www.gps-mission.com. I am enabling educationally disadvantaged teenagers to create, review and play geotainment.

During the two day course two groups of teenagers first scout the area to come up with riddles based on their surroundings. With these each group creates a “GPS Mission”which the other group tests and reviews.

We also discuss basics of game design and storytelling. Goal is not to have bare riddles but to decide on a story which link the places and objectives together. Nice examples groups came up with till now are a suspense secret agent story and a voyage to Harry Potters Hogwarts (with a Bus Stop standing for Platform Nine and Three Quarters).
The kids love that they can use an iPhone to play the mission and are very motivated. The geotainment aspects makes it easier for the kids to be creative as we are working not only in virtual but also real space and they can basically “touch” the riddles. One challenging aspect of the concept is that I only have a limited amount of iPhones and therefore don’t have a smart phone per kid. In a week I will try the project with 5 kids per iPhone which I think is the upper limit.
I would like to thank some people who helped to get the project to where it is now:
  • Mobile learning expert Chris Nash with whom I had an inspiring discussion in London
  • Marike Schlattmann from Lern-welten is working with me on the project.
  • and last but not least the City of Munich and Netzwerk Inter@ktiv which are open for innovative media education projects.

Update:

You can find a summary of the projekt results here:
http://ulrichtausend.com/2012/gpsmission